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"Die Gesellschaft braucht diese drei Werte: Dankbarkeit, Freiheit und Respekt"

von Christina Müller

Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war zu Gast beim BNN-Forum im Gartensaal des Karlsruher Schlosses

(Karlsruhe, 5. Oktober 2017) Dafür ist Wolfgang Huber seit jeher bekannt, während seiner Berufstätigkeit und auch jetzt noch: für seine guten Erklärungen und Analysen, mit denen er Zuhörern seine Gedanken und klaren Ansichten näherbringt. Das tat der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auch gestern Abend im vollbesetzten Gartensaal des Karlsruher Schlosses, in dem einige Zuhörer sogar auf den Treppenstufen Platz genommen hatten. Klaus Gaßner, der Gesamt-Redaktionsleiter der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) interviewte den 75jährigen Theologen ihm Rahmen des BNN-Forum, zu dem im Rahmen des Reformationsjubiläums, eingeladen wurde. Dies stand unter dem Thema "Kirche, Reformation und die neuen Medien".

Der Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, Thomas Schalla, begrüßte Huber und die Anwesenden. "Die reformatorische Entdeckung Martin Luther's vor 500 Jahren hat die Welt verändert und wir leben auch heute in einer Welt, die sich rasant verändert, vor allem im Bereich neue Medien, Kommunikation und Technik."

Im ersten Teil des Gesprächs stellte Gaßner Fragen zu den neuen Medien, der Digitalisierung und die damit verbundenen rasanten Veränderungen. Er habe keinen facebook-Account und er twittere auch nicht, so Huber. "Ich wähle andere Formen der Kommunikation", machte der Theologe deutlich. Natürlich schreibe er E-Mails und informiere sich im Internet. "Aber ich bin nicht bereit, Medien die Herrschaft über meine Privatsphäre zu geben", führte er weiter aus. Ob die tiefgreifende Digitalisierung schädlich für Religion, Theologie und die Kirchen sei und wie man gut damit umgehen könne, wollte Gaßner wissen. "Mediale Möglichkeiten wurden schon immer genutzt und Johann Tetzel hat vor 500 Jahren seine Ablassbriefe drucken lassen und sie wurden dadurch von einer großen Öffentlichkeit wahrgenommen", so der frühere Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Erfindung des Buchdrucks gehöre zu den Erfindungen des Jahrtausends. Die medialen Möglichkeiten, die sich heute bieten, könne Kirche nutzen, um zu informieren, es den Menschen leichter zu machen zu Angeboten zu kommen. "Es geht aber darum, vernünftig mit diesen Medien umzugehen und den Wert der analogen Kommunikation aufrecht zu erhalten", schloss Huber und erhielt lang anhaltenden Applaus dafür.

Die Gesellschaft verändere sich rasant und für ihn seien es diese drei Werte, die sie brauche: Dankbarkeit, Freiheit und Respekt. "Gerade den Respekt Abstand zu wahren, jemand seinen eigenen Menschen sein zu lassen, müssen einige lernen, auch Erwachsene", erläuterte Wolfgang Huber.

So konzentriert wie die Zuhörer Wolfgang Huber's Erklärungen folgten, hörten sie dem Klavierspiel des jungen Pianisten David Carl Heinz zu. Er spielte dreimal an dem Abend, in den Pausen des Interviews. Der Zwölfjährige hat bereits 39 eigene Werke komponiert und ist an der Hochschule für Musik in Karlsruhe eingeschrieben. Er verzauberte durch sein Spiel und die Zuhörer honorierten dies mit lang anhaltendem Applaus.

Über die Veränderungen in der Politik befragte Klaus Gaßner seinen Interviewpartner im zweiten Teil des Gesprächs. "Der Bundestag wird anders sein und in ihm wird eine Partei sitzen, die man nicht kennt und die vielen Sorgen macht", eröffnete Gaßner den Dialog. "Die Frage, die sich jetzt stellt ist, wie es uns als Kirche gelingt an die heranzutreten, die voll Unsicherheit, Angst haben und verletzt sind". Kirche könne hier ein adäquater Gesprächspartner sein und "es ist wichtig, dass wir an die ranzukommen", so Huber. Er warnte auch davor der AfD zu hart entgegenzutreten. "Hierdurch wird nichts erreicht, außer dass die Partei eine Märtyrerrolle bekommt. Viel wichtiger ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu bleiben."

Wie der Dialog mit dem Islam gestaltet werden könne, wollte Klaus Gaßner danach wissen. "Ich bin für Klarheit und gute Nachbarschaft", so Huber. In Deutschland gebe es keine Staatskirche. Jeder habe die Möglichkeit ein- oder auszutreten, sich für eine Konfession oder Glauben zu entscheiden. Religion habe und bekomme in unserer Gesellschaft Raum. Einer der Besucher fragt ihn nach seiner Ansicht zu der Burka, die muslimische Frauen hier tragen. Es sei schöner Menschen anschauen zu können und ihnen ins Gesicht sehen zu können, sagt Huber. "Nur so können Menschen gut miteinander kommunizieren." Das Land Niedersachsen habe ein Schulgesetz verabschiedet, dass hierzu beiträgt. "Die Schüler haben sich mit ihrer Kleidung so anzupassen dass eine offene Kommunikation möglich ist und das ist für mich ein sehr gutes Gesetz." Er warnte vor Stigmata und Vorverurteilungen, gegenüber Religionen und Menschen. "Wenn du mit einem Finger auf andere zeigst, zeigst Du mit drei Fingern auf dich selbst", machte Wolfgang Huber deutlich.  

Dirk Keller, Pfarrer an der Karlsruher Stadtkirche, dankte Wolfgang Huber zum Schluss für seinen Besuch in Karlsruhe und wies auf das Projekt "Luther, einer von uns" hin, das in diesem Jahr in Karlsruhe, im Rahmen des Reformationsjubiläums stattfindet. "Der Künstler Harald Birck hat insgesamt 22 Lutherbüsten von Karlsruher Bürgern gestaltet, die in der Stadt aufgestellt sind." Beim Gottesdienst am 31. Oktober, dem Reformationstag, kämen sie dann alle wieder in die Stadtkirche zurück, von wo sie zu Beginn des Projekts in die Stadt gesendet und aufgestellt wurden. Hier gebe es die Möglichkeit alle noch einmal zu sehen. "Und in allen dieser Menschen steckt ein Martin Luther", machte Keller deutlich.



Die Zuhörer im Gartensaal verfolgten konzentriert den Ausführungen und Erklärungen des ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Gespräch mit Klaus Gaßner, dem Gesamt-Redaktionsleiter der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN), stand unter dem Thema "Kirche, Reformation und die neuen Medien".

Foto: Lena Uphoff

Bericht: Christina Müller, Öffentlichkeitsarbeit, Evangelische Kirche in Karlsruhe

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