0721/824673 20 •           Newsletter

UNESCO erklärt Orgel zum Weltkulturerbe

von Christina Müller

Initiatoren kommen aus Baden

Karlsruhe/Freiburg. Die UNESCO hat "die Königin der Instrumente", die Orgel, zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Dies teilte die Organisation für Bildung, Kultur und Wissenschaft der Vereinten Nationen am heutigen Donnerstag (07.12.) mit. Orgelbau und Orgelmusik seien tief verwurzelt in der deutschen Kultur, sagt der Orgelsachverständige der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg, Michael Kaufmann, Autor des UNESCO-Antrags. Im Südwesten Deutschlands gibt es mit 7.000 bis 8.000 Instrumenten die größte Orgeldichte. Bundesweit werden etwa 50.000 Orgeln – vor allem in Kirchen und Konzertsälen - von zehntausenden von haupt- und nebenamtlichen Organisten regelmäßig gespielt. Zudem haben 60 der rund 400 deutschen Orgelbaubetriebe ihren Standort in Baden-Württemberg. Die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg ist die zentrale Ausbildungsstätte für den Orgelbau.

Die badische Landeskirche habe schon immer ein besonderes Augenmerk auf die mehr als 1000 Orgeln in ihren Kirchen gelegt, freut sich der für Kirchenmusik verantwortliche Oberkirchenrat Matthias Kreplin über die Auszeichnung als Kulturerbe der Menschheit. "Die Instrumente bereichern das Leben der Kirchengemeinden und begleiten die Gläubigen auf zentralen Stationen ihres Lebensweges, vermitteln Freude und spenden Trost." Rund 2400 Orgeln hat die Erzdiözese Freiburg. Für Generalvikar Axel Mehlmann bedeutet der Eintrag in die UNESCO-Liste eine "Wertschätzung der Orgel und aller Menschen, die sich für das Instrument engagieren." Der Orgelbau und ihr Spiel seien Dienst an einem Höheren, wie es trefflich das Zweite Vatikanische Konzil formuliere: "Ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben."

Das Instrument sei ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Technik und Klang – es gehe um Feinmechanik wie bei einem Uhrwerk, aber auch um modernste High-Tech, erklärt Musikwissenschaftler Kaufmann. Jedes Instrument werde individuell für einen Raum konzipiert und an diesen angepasst - und sei damit meistens der teuerste Ausstattungsgegenstand. Orgeln seien musikalischer Glanzpunkt von orchestraler Strahlkraft und gleichzeitig hochkomplexe Maschinen. "Um sich zu koordinieren, müssen Kopf und Körper des Organisten im Einklang sein", sagt Kaufmann. Für den 50-jährigen ist das auch ein sportliches Ereignis: Register ziehen, in die Tasten greifen, die Pedale treten, der ganze Körper sei in Aktion. Kaufmann bedient in der Stephanskirche in Karlsruhe eine Orgel der Werkstatt Klais (Bonn). Die Auszeichnung eröffne die Perspektive, die Traditionen des Bauens und Spielens von Orgeln den nachfolgenden Generationen ungebrochen zu überliefern.

Erfunden wurde die Orgel vor mehr als 2000 Jahren im hellenistischen Ägypten – und wurde seit dem Mittelalter vor allem in Deutschland differenziert weiter entwickelt. Orgeln aus Deutschland finden sich überall auf der Welt, deutsche Organisten konzertieren auf allen Kontinenten.

Presseinformation der Evangelischen Landeskirche in Baden vom 7. Dezember 2017

Zurück

Impressum

Evangelisches Dekanat Karlsruhe
Dekan Dr. Thomas Schalla
Reinhold-Frank-Straße 48

76133 Karlsruhe

Tel 0721 / 82 46 73 – 20
Fax 0721 / 82 46 73 – 99
Email: dekanat@ev-kirche-ka.de
Internet: www.ev-kirche-ka.de

  Ausführliches Impressum