Evangelische Kitas in Karlsruhe: Sicher mit Profil durch herausfordernde Zeiten

- 08.12.2022 - 

Was hat die evangelischen Kindertageseinrichtungen im zu Ende gehenden Jahr 2022 bewegt? Darüber berichtet Fachberaterin Ulrike Poenisch in diesem Beitrag: Dabei geht es um das Ende der Corona-Einschränkungen und die Folgen aus der Pandemiezeit sowie um den spürbaren Fachkräftemangel.

Quelle: Esi Grünhagen auf Pixabay

Nachdem die letzten Corona-bedingten Spuren in den evangelischen Kindertageseinrichtungen entfernt waren, konnten die Kinder wieder das gesamte Kita-Gebäude für sich erobern. Konzeptionell wurden Werkstattbereiche, Bildungsinseln und offene Häuser wieder möglich. Endlich betraten auch die Eltern wieder die Einrichtungen, konnten Kontakte zueinander knüpfen und gemeinsam Feste feiern. Allerdings werden erst mit der Zeit die Auswirkungen sichtbar, die diese letzten zwei Jahre auf die Kinder hatten. Die Fachkräfte berichten vermehrt von besonderen Bedarfen der Kinder, die teilweise über das in einer Gruppe Leistbare hinaus gehen.
Auswirkungen des Fachkräftemangels spürbar
Einschneidende Veränderungen bringt auch der Fachkräftemangel mit sich. Das hiervon nicht nur wir als evangelische Kitas in Karlsruhe betroffen sind, sondern alle Träger in allen Regionen tröstet nur wenig. Als erstes haben wir seit diesem Kita-Jahr die Öffnungszeiten im Ganztagsbetrieb von zehn auf neun Stunden gekürzt. Obwohl wir sehr viele Stellen nachbesetzen konnten, gibt es immer noch Lücken. Hinzu kommt eine außergewöhnliche Krankheitswelle. Immer wieder sind wir gezwungen, Öffnungszeiten zu kürzen und Gruppen zu reduzieren.
Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat in ihrer Ausgabe vom 15. September 2022 über den Fachkräftemangel geschrieben: „…ohne Kitas stünden alle möglichen Branchen schlecht da. Entsprechend müsste auch die Last, die die Einrichtungen gerade tragen, gesellschaftlich breiter verteilt werden. Darüber sollten wir dringend reden – und zwar ohne Tabus. Vielleicht ist mehr als ein Sechs-Stunden-Kita-Tag derzeit einfach nicht drin? Dann müssten Arbeitgeber flexibler werden[...] Es könnte unbequem werden, aber wenn die Kindertagesbetreuung ganz zusammenbricht, wird es schlimmer. Kitas sind keine Dienstleister, aus denen man noch die letzte Stunde Aufbewahrung herausquetschen kann. Sie sind Orte, an denen sich heute oft der Großteil der Kindheit abspielt“.
In dem Wissen um die Bedeutung, die Kita für die Kinder und Familien hat, arbeiten wir gemeinsam an einer guten Qualität in unseren Kitas. Und dies trotz oder eben mit den geschilderten Bedingungen.
Grundlagen für Schutzkonzept erarbeitet
Zurzeit erstellen die Kindertageseinrichtungen ein Schutzkonzept. Hierfür werden Räume und Situationen auf Gefährdungspotentiale überprüft und grenzachtendes Verhalten den Kindern gegenüber sichergestellt. Dies ist Bestandteil der Betriebserlaubnis und wird gesetzlich eingefordert. Auch wenn wir in der Kita-Abteilung der Evangelischen Kirchenverwaltung bereits alle Grundlagen formuliert, Formulare erstellt und Fortbildungen organisiert haben, bleibt doch noch sehr viel Arbeit, die in der jeweiligen Einrichtung zu leisten ist. Das dies aber auch als Wert angesehen wird, zeigen zwei Stimmen aus dem Leitungskreis:
„Die Arbeit am Schutzkonzept deckt Gemeinsames und Unterschiedliches im pädagogischen Handeln innerhalb unseres Teams auf – sie hilft uns Haltungen und pädagogisches Alltagshandeln auf die Qualität hin zu reflektieren“. (Dagmar Wassermann für die Kitas Melanchthon und Luther)
„Das Schutzkonzept schafft die nötige Transparenz für Eltern, Kinder und Mitarbeitende. Themen wie Partizipation, Beschwerdeverfahren und Verhaltenskodex werden dadurch immer wieder intensiv aufgegriffen und geben den Mitarbeitenden die Möglichkeit, nicht stillzustehen, sondern voranzuschreiten. Ein Zitat (Herkunft unbekannt), das ich wichtig finde... 
Nimm ein Kind an die Hand und lass Dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es Dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es Dir eine Welt, die Du längst vergessen hast.“ (Marcus Eitel, Kita Kraichgaustraße).
Fortbildungen für Kita-Teams zur Demokratiebildung
Flankierend zum Schutzkonzept begleiten wir die Kita-Teams mit Fortbildungen zur Demokratiebildung. Seit diesem Herbst gehören wir zu den Unterzeichnern der „Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen“. Zusammen mit der Trägerkonzeption für die evangelischen Kindertageseinrichtungen der Evangelischen Kirche in Karlsruhe und dem Profil evangelischer Kindertageseinrichtungen in Baden haben wir hiermit Leitlinien und eine feste Gewissheit für unsere Arbeit zum Wohl der Kinder in unseren Einrichtungen.