Vorschlag zur Gebäudeampel präsentiert

- 17.07.2023 - 

Die Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Karlsruhe kam am Freitag, 14. Juli 2023, zu ihrer dritten Tagung zusammen. Die Kernthemen der Synode, Liegenschaften und Organisationsstruktur, betraf auch dieses Mal wieder den Prozess „Kirche 2030“. Zum Umgang mit den Liegenschaften hatte der Stadtkirchenrat in mehreren Workshops eine Gebäude-Ampelliste erarbeitet, die der Stadtsynode in erster Lesung präsentiert wurde. Anschließend wurde diese Liste in Gruppen diskutiert.

„Wir stehen vor Veränderungen, wie sie die Evangelische Kirche in Karlsruhe so noch nicht gesehen hat“, mit diesen Worten begann Pfarrer und Stadtkirchenratsmitglied Siegfried Weber seine Einführung zur Gebäude-Ampelliste vor den Synodalen am 14. Juli 2023. Was der Stadtkirchenrat in mehreren Workshops erarbeitet und nun der Stadtsynode in erster Lesung zur Beratung vorgelegt hat, ist ein weitreichender Schritt hin zu einer „Kirche 2030“, die mit weniger Personal, finanziellen Ressourcen und Gebäuden auskommen muss. Und trotzdem in ihren unterschiedlichen Präsenzen mit ihren Angeboten nah bei den Menschen bleiben möchte.  
 
Kirchen, Gemeindezentren und Gemeindehäuser stehen auf dem Prüfstand
 
Auf einer Landkarte des Stadtkirchenbezirks konnten die rund 60 Synodalen aus den Gemeinden, Diensten und Werken der Evangelischen Kirche in Karlsruhe zum ersten Mal sehen, wie dieser mögliche neue Zuschnitt aussehen könnte. Einschnitte sind dabei in fast jeder der 22 Gemeinden zu verkraften. Nach den Vorgaben der Landeskirche sind die Kirchen, Gemeindezentren und Gemeindehäuser in grün, gelb und rot klassifiziert: Als „grün“ markierte Gebäude werden weiterhin aus landeskirchlichen Mitteln und des Stadtkirchenbezirks finanziert. „Gelbe“ Gebäude bleiben mittelfristig in der landeskirchlichen Finanzierung. Und „rote“ Gebäude können nicht mehr über die Kirchensteuereinnahmen getragen werden. Hier müssten andere Lösungen gefunden werden, sollte das Gebäude erhalten bleiben (z.B. Förderverein etc.) 
 
Und so sieht der Vorschlag zur Gebäude-Ampel aus: 19 Gebäude stehen aktuell auf „grün“. Darunter ist z.B. die Christuskirche, die Stadtkirche am Karlsruher Marktplatz, die Stadtkirche in Durlach, die Lutherkirche in der Oststadt, die Karl-Friedrich-Gedächtniskirche in Mühlburg, die Auferstehungskirche in Rüppurr und die Waldenserkirche in Palmbach. Unter den „grünen“ Gebäuden sind auch fünf Gemeindezentren (z.B. Emmaus in der Waldstadt oder Petrus-Jakobus in der Nordweststadt) sowie vier Gemeindehäuser (z.B. in Palmbach oder in Grötzingen).  
 
Auf "rot" gesetzte Gebäude fallen aus der landeskirchlichen Finanzierung heraus
 
Schwierig wird es für die 16 auf „rot“ gesetzten Gebäude. Hier wird die Landeskirche sowie der Stadtkirchenbezirk die Finanzierung nicht mehr leisten können. Betroffen sind vor allem die Lukaskirche mit Gemeindehaus, die Trinitatiskirche in Aue mit Gemeindehaus, die Thomaskirche in Daxlanden sowie die Matthäuskirche in der Südweststadt. Auch wenn die Gebäude auf „rot“ gesetzt werden, ist allerdings noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob das Gebäude verkauft, anderweitig genutzt oder in anderer Trägerschaft weitergeführt werden kann. „Das muss für jedes Gebäude im Einzelfall entschieden werden“, unterstreicht Siegfried Weber während der Präsentation.  
 
Für die 14 „gelben“ Gebäude bleibt die Frage hingegen noch offen, ob die Gebäude auch langfristig erhalten bleiben. Das hängt vor allem davon ab, ob alternative Finanzierungen gefunden werden können. Eine Entscheidung muss spätestens bis 2032 getroffen werden. Unter die „gelben“ Gebäude fallen nach dem aktuellen Vorschlag unter anderem die Kleine Kirche, die Friedenskirche in Weiherfeld, das Ökumenische Gemeindezentrum Oberreut, die Markuskirche in der Weststadt und die Evangelische Kirche in Wettersbach.  
 
Damit liegt jetzt liegt der Vorschlag zur Reduktion der kirchlichen Gebäude auf dem Tisch. Die Gemeinden haben jetzt Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, so Präsidiumsmitglied Gernot Goll. Er erläutert, dass es im Oktober und November Konsultationen mit den Regionen geben wird. Abschließend beraten wird dann die Stadtsynode auf ihrer nächsten Tagung am 17. November 2023. Die finale Entscheidung zur Gebäudeampel fällt dann der Stadtkirchenrat in seiner Sitzung am 11. Dezember 2023.   
 
Zur neuen Struktur steht eine tragfähige Lösung noch aus
 
Das zweite große Thema dieses Abends betraf die künftige Organisationsstruktur der Evangelischen Kirche in Karlsruhe. Auch hier gilt es, mit weniger Pfarrpersonal und geringeren finanziellen Mitteln weiterhin die Gemeindearbeit leisten zu können. Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätten die Synodalen auf ihrer aktuellen Tagung ein abschließendes Votum zu den bekannten Modellen geben sollen. Der Stadtkirchenrat hätte wenige Tage später die künftige Struktur entschieden. Zwei Modelle stehen dabei zur Entscheidung. Das eine Modell sieht die Fusion zu sieben größeren Pfarrgemeinden und eine Verwaltungsunion vor, bei der zudem Aufgaben in den Gemeinden und im Kirchenbezirk stärker miteinander verzahnt werden. Das andere Modell ist stärker auf Kooperationen der Gemeinden ausgelegt und spricht sich für 16 Pfarrgemeinden und 2 Personalgemeinden aus.
 
Weil aber aus den bisherigen Rückmeldungen der Gemeinden und Gesprächen abzusehen ist, dass die Gemeindevertreterinnen und Vertreter eher Modell 2 bevorzugen und der Stadtkirchenrat eher Modell 1, „haben wir einen Vermittlungsausschuss des Stadtkirchenrats eingesetzt, um eine größere tragfähige Grundlage für die weitere Zusammenarbeit zu finden“, erklärte Dekan Dr. Thomas Schalla das weitere Vorgehen. Bis zur nächsten Synode im November soll dieses Papier ausgearbeitet sein und der Synode zur finalen Beratung vorgelegt werden. Auch hier wird der Stadtkirchenrat am 11. Dezember die neue Struktur verabschieden.  
 
Die Präsidiumsvorsitzende Jutta Scheele-Schäfer betonte abschließend, dass jetzt die „Zeit zur konstruktiven Weiterarbeit“ sei. Sie hoffe „auf ein gutes Ergebnis für uns alle“.  
 
Zur Ampelliste geht es hier.