Zwei Jahre Krieg in der Ukraine und kein Ende: Die Delegierten der Stadtsynode nahmen das als Anlass, um über den Auftrag der Kirche in der Friedensarbeit und über kirchliche Positionen in der Friedensethik zu sprechen. Impulse gab der ehemalige Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht. Zudem hat die Synode die Haushaltspläne für 2024/2025 beschlossen.
Das Präsidium des Stadtsynode mit Gastreferent Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, ehemaliger Oberkirchenrat der Badischen Landeskirche
Für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzustehen, das ist eines der Selbstverständnisse der evangelischen wie katholischen Kirche. Doch wie lässt sich das konsequente Eintreten für den Frieden und ein Gewaltverzicht auch zwei Jahre nach Beginn des brutalen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine aufrechterhalten? Oder müssten die Kirchen nicht andere, neue Positionen in der kirchlichen Friedensethik einnehmen? Das waren zwei der zentralen Fragen, die die Synodalen der Evangelischen Kirche in Karlsruhe auf ihrer Tagung am 2. Februar diskutierten. Impulse dazu lieferte ein Vortrag, den Prof. Dr. Christoph Schneider-Harpprecht, ehemaliger Oberkirchenrat und langjähriger Bildungsreferent der badischen Landeskirche, hielt.
Christliche Friedensethik im Zwiespalt angesichts des Krieges in der Ukraine
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe in der westlichen Welt einen Mentalitätswandel zugunsten der “militärischen Friedenssicherung” geschaffen, der bis in die Kirchen hineinreicht, meint Schneider-Harpprecht. Die EKD habe dazu bereits im Jahr 2022 eine Friedenswerkstatt eingerichtet, mit dem Ziel, ihre Haltung zu Krieg und Frieden zu überdenken. Schließlich stehe die christliche Friedensethik im Zwiespalt zwischen dem Recht auf Selbstverteidigung eines angegriffenen Volkes und Jesu Botschaft der Gewaltlosigkeit.
Auch wenn Schneider-Harpprecht das Recht auf Selbstverteidigung von Staaten anerkennt, plädiert der Referent weiterhin im Handeln der Kirchen dafür, für eine friedliche Konfliktlösung einzutreten: “Ich meine, es sei schlicht Aufgabe der Kirche in der Nachfolge Jesu Christi, stets auf ein Ende der Gewalt, das Schweigen der Waffen, die Rückkehr zu Verhandlungen, den Weg gewaltfreier Konfliktlösung zu drängen”.
Ziel ist - auch unter erschwerten Bedingungen - ein ausgeglichener Haushalt
Im zweiten Teil der Tagung haben die Synodalen die Haushaltspläne für 2024/2025 beschlossen. Geht es nach den Plänen der Kirchenverwaltung, wird trotz erschwerter Rahmenbedingungen ein ausgeglichener Doppelhaushalt erreicht. Bereits im nächsten Haushalt sind rückläufige Kirchensteuereinnahmen zu verkraften. Dem gegenüber stehen steigende Personalkosten. Die Gemeinden, die wider Erwarten in ein Defizit rutschen und es nicht aus eigenen Kräften ausgleichen können, haben die Möglichkeit, einen Antrag an den kirchlichen Zukunftsfonds zu stellen.
Auch die Beschlüsse der Synode zu den kirchlichen Liegenschaften um “Kirche 2030” im Dezember des vergangenen Jahres fließen bereits in die Planungen ein. So wird für den aktuellen Doppelhaushalt für die auf ‘rot’ gesetzten Gebäude keine Substanzerhaltungsrücklage mehr gebildet, erklärte Verwaltungsdirektor Karl-Heinz Honeck bei der Präsentation der Pläne zusammen mit der neuen stellvertretenden Verwaltungsdirektorin, Frau Nicole Ruml. Ebenso werde bei den auf ‘gelb’ gesetzten Pfarr- oder Gemeindehäuser 30 Prozent an Substanzerhaltungsrücklage eingespart. Auch das entlaste den Haushalt in den nächsten zwei Jahren.
Noch gilt das Baumoratorium
Die Synodalen haben zudem zugestimmt, den Bauhaushalt in unaufschiebbare und sicherheitsrelevante Leistungen sowie in noch später zu tätigende Baumaßnahmen aufzuteilen. Das habe den Vorteil, auch während des noch laufenden Baumoratoriums (Stopp von Umbau- und Bauvorhaben) weiterhin handlungsfähig zu sein.
Die Präsidiumsvorsitzende Jutta Scheele-Schäfer sprach der kirchlichen Verwaltung und dem Diakonischen Werk ihren Dank für den vorgelegten Haushalt aus und ließ es nicht unerwähnt, “dass es heute eine Premiere ist, denn meiner Erinnerung nach wurde kein Doppelhaushalt so früh vorgelegt wie dieser”.
Dekan Schalla: “Wir sind als Kirche schuldig geworden”
Dekan Dr. Thomas Schalla sprach vor den Synodalen über die Ende Januar der Öffentlichkeit präsentierte Studie zur sexualisierten Gewalt in Kirche und Diakonie. “Es gibt für uns kein Grund zur evangelischen Überheblichkeit”, sagte Dekan Schalla, “wir sind in den Grundfesten aufgerüttelt und als Kirche schuldig geworden.” Jetzt gelte es, zu schweigen, zu hören und das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen. Abschließend sprach er ein Gebet, um die Klage, die Trauer und die Schuld vor Gott zu bringen angesichts des Leids vieler Betroffener.