„Brot und Salz“ als Willkommensgruß zum Einzug

- 23.04.2024 - 

Die Aktion „Brot und Salz“ der badischen Landeskirche stellt Gemeinden kostenlos Willkommenspäckchen für Neuzugezogene zur Verfügung. Die Päckchen bestehen aus einer Karte, die personalisiert werden kann, einem kleinen Tütchen Salz sowie einem Brotbeutel inklusive eines Gutscheins für ein Brot. Auch in Karlsruhe nutzen Gemeinden dieses Angebot als Willkommensgruß.

Arndt Brillinger, Susanne Strobach-Brillinger und Thomas Froels mit Brotbeuteln und Gutscheinen der Aktion „Brot und Salz“
Von ihren Erfahrungen berichten an dieser Stelle Arndt Brillinger (AB), Susanne Strobach-Brillinger (SSB) und Thomas Froels (TF) von der Lukasgemeinde. Als Partner mit dabei ist auch die Bäckerei Angelikas Backhäusle, bei der der Brotgutschein eingelöst werden kann.
 
Wie kamen Sie in Berührung mit der Aktion „Brot und Salz für Neuzugezogene“?
 
AB: Ich habe vor vielen Jahren ein Gespräch mit Pfarrer Walter Boës gehabt, ich habe damals schon gesagt, Kirche muss werben, Kirche muss präsent sein und eigentlich müsste nach dem Möbelpacker der erste, der an der Tür klingelt, jemand von der Kirchengemeinde sein, der das Gemeindemitglied begrüßt… Und jetzt kam diese Aktion, viele Jahre später, aber sie trifft genau das, was ich immer propagiert habe, was notwendig ist.
 
Was ist der Kern dabei? Um was geht es? Es ist auch schon ein wenig durchgeklungen – ist das für Sie eine Frage von Willkommenskultur?
 
AB: Willkommenskultur, das ist ein passendes Stichwort. Kirche muss präsent sein, muss da sein, muss den Leuten zeigen „Wir sind da“, „Ihr seid willkommen, mit allen Möglichkeiten“. Was wir jetzt nicht wollen, ist es zu missionieren, sondern wir begrüßen die Leute: „Herzlich willkommen in der Gemeinde…“. Das ist der Gedanke.
 
Gibt es an der Tür, wenn man klingelt, typische Reaktionen oder reagieren die Menschen ganz verschieden?
 
SSB: Ganz verschieden – wir erleben alles, was Sie sich vorstellen können. Ausgehend davon, dass wir komplett abgewiesen werden: „Nein, will ich nicht“, „kein Interesse“, „Brauch ich nicht“ – diese Antwort kommt ganz oft… das ist dann auch in Ordnung, wenn jemand es nicht möchte – bis hin zu unserem absoluten Highlight, dass wir reingebeten wurden mit den Worten „Wir haben eine Flasche Champagner im Kühlschrank, das finde ich so toll, dass Sie kommen, setzen Sie sich.“ Da wurde das Abendessen zur Seite geschoben und wir haben eine Stunde geredet über Gott und die Welt.
 
AB: Die, die aufmachen, sind erst mal überrascht, unsicher: Was wollen die? Und dann haben wir unseren Spruch „Wir kommen von Ihrer evangelischen Lukasgemeinde. Wir wollen Ihnen ein herzliches Willkommen in Ihrer Gemeinde sagen und wollen Ihnen ein kleines Präsent übergeben.“ Viele sind dann erst einmal erstaunt, sind sprachlos!
 
Nehmen Sie bewusst Informationen über die Gemeinde mit?
 
AB: Den Gemeindebrief nehmen wir mit und sagen: „Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns bitte an.“ Wir weisen auf Gottesdienste und Veranstaltungen hin, aber wir fangen jetzt nicht an und fragen „Sollen wir zusammen beten“, ich glaube, das wäre der falsche Weg…. Heute war jemand im Gottesdienst, den wir besucht haben, was uns sehr, sehr gefreut hat.
 
Herr Froels, Sie haben den Kontakt zu Angelikas Backhäusle hergestellt. Wie ist sie als Bäckerin in die Aktion eingebunden?
 
TF: Ich kenne die Inhaberin schon von meinen Kindern her, die gemeinsam in die Schule gegangen sind. Ich habe ihr die ganze Aktion rundherum erklärt, habe ihr auch gesagt, was ich damit erreichen möchte… Und sie war von Anfang an begeistert. Dieses positive Gefühl gibt sie den Kunden weiter, denn die Menschen, die wir besuchen, bekommen ja diesen Gutschein, bei ihr ein Brot der eigenen Wahl kostenlos bekommen zu können, und dann kommt die Inhaberin mit ihnen nochmals über die Aktion ins Gespräch. Die Leute sind positiv überrascht, dass es funktioniert mit diesem Gutschein. Man ist ja gewöhnt, dass so etwas häufig „Lockangebote“ sind. Das ist für mich die Sahne auf dem Kuchen, dass hier noch einmal die Menschen eine zweite positive Erfahrung mit der Gemeinde bekommen, ohne direkt Gemeindekontakt zu haben. Sie spüren einfach: Ich bin willkommen.
 
Auch im Sinne von, das ist kein Lockangebot, sondern es funktioniert, die Gemeinde hält Wort.
 
TF: Genau. Bei mir war die Initialzündung, dass mir mein Sohn nach seinem Umzug (innerhalb eines anderen Bundeslandes, Anmerkung der Redaktion) erzählte: „Ich hab´ noch überhaupt nichts gehört von meiner Gemeinde, nicht einmal einen Gemeindebrief hab´ ich bekommen… Aber am Ende vom Monat wird Kirchensteuer abgezogen von meinem Gehalt.“ Und ich habe dann gedacht, das kann doch wohl nicht wahr sein… Und dann kam diese Aktion und ich bin sofort darauf eingestiegen, denn das ist es nämlich: Ein Ausrufezeichen setzen, mit etwas ganz anderem, die Menschen überraschen, mit etwas positivem – und sie ein bisschen ins Nachdenken bringen…
 
AB:... und nicht gleich zu sagen, hier ist noch ein Spendenbeutel, das war nämlich bei uns einmal so. Man hört nämlich oft von der Kirche: „Wollt ihr nicht Geld geben?“  und nicht „Die Kirche ist einfach mal da.“
 
Vielen Dank für das Gespräch!
 
Das Gespräch führte Christoph Nonnenmacher