Reformationsgottesdienst stand im Zeichen der Waldenser

- 06.11.2024 - 

Der zentrale Gottesdienst zum Reformationstag am 31. Oktober stand ganz im Zeichen des Waldenser-Jubiläums 2024. Lange vor der Reformation setzte sich die Waldenserbewegung für eine geistliche Erneuerung des Christentums ein. Als Gastpredigerin konnte Dekan Dr. Thomas Schalla die Waldenserpfarrerin Eliana Briante begrüßen. 

„Wir erinnern uns in diesem Jahr an die Anfänge der Waldenserbewegung in Europa und im Südwesten Deutschlands. Die Glaubensgeschwister haben in den zurückliegenden Jahrhunderten den Protestantismus geprägt. Die Auseinandersetzung mit sozialen Fragen und die Bedeutung des Priestertums aller Getauften haben die Waldenser schon früh zu einer reformatorischen Bewegung geformt”, erklärte Dekan Dr. Thomas Schalla zu Beginn des Gottesdienstes in der Evangelischen Stadtkirche und betonte damit, dass die Reformation eben nicht erst mit dem Thesenanschlag Martin Luthers begann. Vor 850 Jahre entstand die Waldenserbewegung in Italien und breitete sich – auch durch Verfolgung geprägt - bis nach Deutschland ins Badische und Württembergische aus. “Waldenser - reformiert in Bewegung” hieß dann auch folgerichtig der diesjährige Reformationsgottesdienst.  
 
Als Gastpredigerin konnte Dorothee Mack, Pfarrerin in Rüppurr und Mitorganisatorin des Waldenserjubiläums, Eliana Briante gewinnen, die sie noch aus Studienzeiten in Rom kennt und mit der sie von 2005 bis 2015 in Mailand zusammengearbeitet hat. Seit 2015 ist Pfarrerin Eliana Briante nun in der Bayrischen Landeskirche in Ingolstadt aktiv, wo auch ihr Mann Pfarrer ist.  
 
Der Waldenserkirche in Italien gehören lediglich 20.000 Gemeindemitglieder an. Da war es interessant, von der Gastpredigerin zu erfahren, wie es ist, als Minderheit in einem stark katholisch geprägten Land wie Italien zu leben. Kann sich die evangelische Kirche in Karlsruhe hier etwas abgucken – auch mit Blick auf die abnehmenden Kirchenmitgliederzahlen?  
 
“Auch wenn wir in Italien eine Minderheit sind, ist es wichtig, Freude auszustrahlen und Engagement zu zeigen und nicht nur auf die Zahlen zu schauen", meint Pfarrerin Briante. Es komme darauf an, was man ausstrahle. Im Gottesdienst tanke sie selbst Kraft, um dann weitergeben zu können, was sie selbst erfahren hat und um den Dienst am Nächsten tun zu können.  
 
Eliana Briante ist nicht allein nach Karlsruhe gekommen. Mit ihr hat sich eine 25-köpfige Reisegruppe aus zwei bayerischen Gemeinden auf den Spuren der Waldenser begeben. So durfte ein Besuch im Waldenserort Palmbach natürlich nicht fehlen sowie ein Besuch der Austellung “Immagina Riesi” im Albert-Schweitzer-Saal, der die Situation der Waldenser auf Sizilien und insbesondere die Grundschule des evangelischen „Servizio Cristiano“ in Riesi thematisierte.