"Wir haben einen wenig reflektierten Umgang mit Macht gehabt"

- 19.05.2025 - 

Dass es auch in der Evangelischen Kirche und ihrer Diakonie zu Missbrauchsfällen und sexualisierter Gewalt gekommen ist, ist spätestens seit Erscheinen der Aufarbeitungsstudie „ForuM“ Anfang 2024 bekannt. Am Freitag, dem 16. Mai, hat  Landesbischöfin Prof. Heike Springhart über die Aufarbeitung sowie Prävention sexualisierter Gewalt auf Einladung der Stadtsynode in Karlsruhe gesprochen.  

Landesbischöfin Prof. Heike Springhart während ihres Vortrags 
Selbstkritisch sprach die Landesbischöfin dabei auch von den Faktoren, die eine Kultur des Wegschauens begünstigten: Der gefühlte “Harmoniezwang” innerhalb der Kirche habe das Wegschauen ebenso begünstigt wie das Bild, das vom evangelischen Pfarrer als “naher Kumpel” präsent war und eine Distanz schwierig machte. Zudem: “An vielen Stellen haben wir bisher einen wenig reflektieren Umgang mit Macht gehabt”, meinte die Landesbischöfin. “Wir haben auch keine vernünftige Streitkultur entwickelt”, die es ermöglicht, das Problematische zu benennen.  
 
Jetzt gilt es, einen nötigen Kulturwandel vom Wegsehen zum Hinsehen einzuleiten. Die Vorfälle haben gezeigt: “Wir sind eine verletzbare Kirche, und der Umgang mit Schuld und Sünde fordert uns als Institution heraus”, sagte die Landesbischöfin.  
 
Alle Personen in kirchlicher Leitungsfunktion haben eine Schulung zu absolvieren
 
Verantwortung zu übernehmen, heißt aber nicht nur, das erfahrene Leid der Betroffenen wahrzunehmen, sondern auch künftigen Missbrauch zu vermeiden. Deshalb gilt seit zwei Jahren für alle in Leitungsverantwortung stehenden Personen in Kirche und Diakonie in Baden die Verpflichtung, eine Schulung zu absolvieren, die der Prävention und der Intervention dient und im Fall einer Grenzverletzung Wege aufweist, angemessen darauf zu reagieren.  
 
Schuldekan Thomas Schwarz erläuterte anschließend, dass die „Alle Achtung“-Schulungen (Grenzen achten, vor Missbrauch schützen), die es seit mehr als zehn Jahren in der Evangelischen Kirche in Karlsruhe gibt, entsprechend der neuen Richtlinie erweitert und angewendet werden.
 
Gewaltschutzkonzept in der Evangelischen Kirche in Karlsruhe soll bis 2026 erarbeitet werden 

In der Evangelischen Kirche wird bis spätestens 2026 ein Gewaltschutzkonzept für die evangelischen Gemeinden, Diensten und Werken erarbeitet, mit dem ein grenzwahrender und achtsamer Umgang miteinander besser ermöglicht werden soll und für den Verdachts-Fall sexualisierter Gewalt konkrete Vorgehensweisen beschrieben werden.
 
Empfehlungen verabschiedet, um die Kinder- und Jugendarbeit zu stärken
 
Schuldekan Thomas Schwarz und Synodaler Adrian Auch: Wie kann die Kinder- und Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche in Karlsruhe für die Zukunft gestärkt werden?
Desweiteren haben sich die Synodalen darauf verständigt, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Evangelischen Kirche in Karlsruhe zu stärken. Hierzu hat der Bildungsausschuss eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet, die diskutiert und beschlossen wurden und an die entsprechenden Gremien wie Stadtkirchenrat oder Regio-Räte zur Bearbeitung weitergeleitet werden. 
 
Und mit Blick auf den nächsten Doppelhaushalt 2026/2027 sind die Budgetregeln beschlossen wurden, die der Finanzausschuss und der Bauausschuss erstellt haben. Darin sind die neuen Kooperationsräume ebenso bedacht wie die Ampel-Entscheidungen zu den Gebäuden. So ist z.B. eingerechnet, dass zwei auf Rot gesetzte Gebäude pro Jahr aus der Bewirtschaftung und Instandhaltung wegfallen.