Gemeinde Bergdörfer feiert 300 Jahre Waldenserkirche Palmbach

- 14.07.2025 - 

Vor mehr als 300 Jahren fanden Waldenser, eine evangelische Minderheit aus dem katholischen Frankreich, im heutigen Karlsruher Höhenstadtteil Palmbach eine Zuflucht. Im Juli 1725, also vor genau 300 Jahre, weihten sie ihre Kirche ein.

v.l. Pfr. i.R. Susanne Labsch, Pfrin. Dr. Maria Götz, Pfarrer Jonas Lauter, Roland Jourdan, Vorsitzender Waldenserverein Palmbach
Der Karlsruher Höhenstadtteil Palmbach erinnert bis heute sehr stark an die Waldenser und ihre Fluchtgeschichte. Kein Wunder, fanden hier 1702 doch evangelische Glaubensflüchtlinge aus „La Balme“ im damaligen französischen Piemont eine Zuflucht vor der religiösen Verfolgung durch den streng katholischen Sonnenkönig Ludwig XIV. In Erinnerung an ihr Herkunftsdorf nannten sie ihre neue Siedlung zunächst Balmbach – eine Verbindung aus „La Balme“ und der in der Region häufigen Endung „-bach“. Im Laufe der Zeit wurde daraus der heutige Name: Palmbach.
 
Vor 300 Jahren, im Juli 1725 weihten die Waldenser ihre erste Kirche in Palmbach ein. Sie ist zwar nicht mehr erhalten, doch an ihre Stelle trat ein Neubau – die heutige evangelische Kirche in Palmbach. 300 Jahre lang gibt es nun eine Waldenserkirche in Palmbach. Das Jubiläum feierte am 13. Juli die Evangelische Gemeinde Bergdörfer in einem festlichen Gottesdienst, den Pfarrerin Dr. Maria Götz hielt und der Posaunenchor musikalisch reich gestaltete, parallel dazu gab es ein Kinderprogramm im Gemeindehaus.
 
Waldenser-Wappen mit Schriftzug: "Lux lucet in tenebris" (dt. Das Licht scheint in der Finsternis)
 
Die Predigt hielt Pfarrerin i.R. Susanne Labsch, die zahlreiche Kontakte in die Waldenserkirche hält und dort auch als Pfarrerin tätig war. Sie führte in die Bedeutung des Waldenser-Wappens ein, dass das Motto „Lux lucet in tenebris“ (dt. Das Licht scheint in der Finsternis“) trägt und aus dem Johannes-Evangelium stammt. „Christus ist das Licht und mit diesem Licht haben die Waldenser ihre Schritte gewagt“, so Susanne Labsch. Um das Licht herum sammeln sich sieben Sterne, ein Bild aus der Offenbarung des Johannes, das für die verfolgten Gemeinden steht. „Die Waldenser haben damit ausgedrückt, dass sie darauf vertrauen, dass Christus sie beschützt und bewahrt“, so Labsch weiter.
 
45 Pfarrpersonen waren in den 300 Jahren in Palmbach tätig
 
An den Gottesdienst schloss sich ein buntes Gemeindefest mit Festprogramm an: Eröffnet wurde eine Fotoausstellung „Palmbach und seine Waldenserkirchen“, der Chor miTTendrin sang, es gab eine Buchvorstellung „Der Fluch der Waldenser“ mit Autorin Rahsan Dogan, eine Führung auf dem Waldenserweg sowie am Abend ein Jazzpel-Gottesdienst mit den Hillside-Singers mit Ausklang im Kirchhof bei Kaltgetränken.
 
Vom Waldenserverein Palmbach, der auch die Ausstellung zur Waldenserkirche zusammenstellte, erhielt die Gemeinde als Geschenk eine Erinnerungstafel, in der alle Pfarrerinnen und Pfarrer (45 Personen) aufgelistet sind, die in den vergangenen 300 Jahren in Palmbach ihren Dienst taten.