13. Vesperkirche 2026: Die Bereitschaft zu helfen bleibt groß

- 08.01.2026 - 

Dass die Vesperkirche Karlsruhe am 11. Januar 2026 wieder ihre Türen öffnet, ist auch dem großen Einsatz der rund 200 Ehrenamtlichen zu verdanken, ohne die es die Vesperkirche so nicht geben würde. Viele engagieren sich auch im „Café Dia“, einem Ableger der Vesperkirche, das ganzjährig am Werderplatz läuft. 

Bruno Wenz, einer der Projektleiter der Karlsruher Vesperkirche, mit Gästen während des Café Dia, einem Ableger der Vesperkirche
Vom 11. Januar bis zum 8. Februar 2026 findet die 13. Vesperkirche in der Johanniskirche am Werderplatz statt. In diesen vier Wochen engagieren sich wieder viele Freiwillige, damit bedürftige Menschen eine warme Mahlzeit bekommen und Begegnung und Gemeinschaft erfahren können. Insgesamt 200 Interessierte haben sich für die 13. Auflage gemeldet. „Die Zahl an Mitwirkenden bei der Vesperkirche ist gleichbleibend hoch“, freut sich Bruno Wenz, der zusammen mit Pfarrerin Lara Pflaumbaum die Projektleitung innehat. Pro Tag werden 45 bis 50 Personen für die verschiedenen Dienste eingesetzt, um einen reibungslosen Ablauf während der Vesperkirche zu gewährleisten. Die Aufgaben reichen von der Essensausgabe über das Servieren und Nachschenken am Tisch bis zu den Ordnern, die für einen sicheren Ablauf achten, und den Mitarbeitenden in der Kleiderkammer.
 
Viele Ehrenamtliche der Karlsruher Vesperkirche wirken auch im Café Dia mit
 
Erfreulich ist, dass viele Ehrenamtliche nicht nur bei der vier Wochen lang stattfindenden Vesperkirche mitwirken, sondern auch bei dem Ableger der Vesperkirche, dem „Café Dia“ in der Johanniskirche, das ganzjährig angeboten wird. Und das für viele Gäste der Vesperkirche auch zu einer beliebten Anlaufstelle unter der Woche geworden ist. Mittwochs gibt es etwas Warmes auf die Hand und dienstags und freitags gibt es süße Teilchen zu Kaffee, Tee oder Wasser für die Gäste. Außerdem hat die Kleiderkammer in der Johanniskirche in der Zeit zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet.
 
In der Kleiderkammer begegne ich Petra Dermann. Die pensionierte Lehrerin ist seit fünf Jahren in der Vesperkirche aktiv ist und seit drei Jahren auch im Café Dia. Sie hebt den „ganzheitlichen Ansatz“ vom Café Dia und der Vesperkirche hervor. Dass es eben nicht nur ums Essen und Trinken geht, sondern die Vesperkirche und das Café ein Angebot für Leib und Seele ist. Schließlich komme man mit den Gästen auch persönlich ins Gespräch. „Schon wenn die Gäste bei der Vesperkirche in der Schlange stehen, um das Essen entgegenzunehmen, erzählen sie einem manchmal schon ihr halbes Leben“, berichtet Petra Dermann.
 
Kleiderkammer wird gut nachgefragt und ist auch während des Café Dia geöffnet
 
Die Kleiderkammer mit mehreren meterhohen Regalen sind gut gefüllt. Von Isomatten, über Schlafsäcke, Hosen, Schuhe bis hin zur Bettwäsche und Rucksäcken ist alles dabei. Die Nachfrage ist groß. Deshalb ist die Devise, nicht mehr als drei Teile an die Gäste herauszugeben. Damit auch andere noch bekommen, was sie brauchen. „Große Herrenjacken brauchen wir noch“, sagt Dorothee Förtsch, die Leitung der Kleiderkammer. „Im Prinzip brauchen wir immer etwas mehr für die Herren“, sagt sie. Jeden Tag bekommen sie gut erhaltene Ware, die sie weitergeben können. Kleiderspenden für die kalte Jahreszeit, insbesondere warme Damen- und Herrenbekleidung werden gerne angenommen. Auch Handschuhe, Mützen und Schals sind sehr gefragt.
 
Pascal Baum schätzt den persönlichen Kontakt zu den Gästen und kommt gerne mit ihnen ins Gespräch
Draußen, vor der Johanniskirche, teilt Pascal Baum an diesem Tag die warme Wurst mit Senf und Brot aus. Der persönliche Austausch ist ihm wichtig. „Mit der Zeit kennt man auch die Namen einiger, die immer wiederkommen, und so kommt miteinander ins Gespräch“. Anfangs war Pascal Baum nur in den vier Wochen der Vesperkirche dabei, seit vorigem Jahr ist er auch ganzjährig beim Café Dia aktiv und hilft einmal die Woche mit. „Das ist recht typisch“, erklärt Bruno Wenz, „viele Ehrenamtliche beginnen mit der Vesperkirche und engagieren sich dann auch im Café Dia.“ Darin drückt sich eine hohe Verbundenheit mit dem gesamten Projekt aus.
 
Mit am Stand sind an diesem Tag auch Gabriele Berger und Marita Schubert, zwei Pensionärinnen aus Ettlingen. „Es ist erstaunlich, wie viele Bedürftige es gibt“, sagen sie. Und: „Wir sehen, wie gut es uns geht. Deshalb wollen wir mit unserer Arbeit der Gesellschaft etwas Gutes tun.“ Ob sie auch schon Aggression unter den Gästen oder gegenüber Frauen erlebt haben, frage ich. Ja, das könne schon einmal vorkommen, sei aber eher selten, antworten sie. Gerade wenn Gäste alkoholisiert sind oder sogar unter Drogen stehen. „Dann sind die Männer aus dem ehrenamtlichen Team sehr schnell zur Stelle“, sagt Gabriele Berger. Außerdem sähe man es vielen Gästen auch an, wenn sie Rauschmittel konsumiert haben und sei entsprechend vorsichtig.
 
"Liebe, Hoffnung, Vesperkirche..."
 
Noch sind es ein paar Tage, bis das Café Dia in die Winterpause geht. Dann wird die Johanniskirche zur Vesperkirche umgebaut. Pressspanplatten sind bereits ausgelegt, um den Boden der Kirche zu schützen. Dann wird noch die Kleiderkammer für die Essensausgabe in die Nähe der Sakristei umziehen, und es werden wieder Tische und Stühle für bis zu 200 Gäste zu langen Tafeln gestellt. Ab dem 11. Januar 2026 heißt es für vier Wochen wieder: „Liebe, Hoffnung...Vesperkirche“.
 
Albert Vogel besorgt mit dem Vesperkirchen-Mobil die Lebensmittel
 
Albert Vogel engagiert sich seit Jahren im Fahrdienst für die Vesperkirche
Getragen wird die Vesperkirche neben dem großen ehrenamtlichen Engagement auch von vielen Firmen, die die Vesperkirche mit Sachspenden und Lebensmitteln unterstützen. Albert Vogel ist einer der Fahrer für die Vesperkirche. Während der Vesperkirche sind jeden Tag zwei Fahrer mit dem Vesperkirchen-Mobil unterwegs, um die Lebensmittel einzusammeln, die am Tag ausgegeben werden. Meist beginnt die Route schon gegen 7.30 Uhr. Dann werden verschiedene Bäckereien angefahren, um Brot, Brötchen und süße Teilchen abzuholen. „Meist ist das Auto bis unter das Dach gefüllt“, sagt Albrecht Vogel. Hinzu kommt Wurst und Obst, die auf Spendenbasis abgegeben wird.
 
Zusätzlich zum Essen gibt es zur 13. Ausgabe der Karlsruher Vesperkirche auch wieder ein umfangreiches Begleitprogramm: Das Team um Pfarrerin Lara Pflaumbaum wird sich Zeit nehmen und ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Besucherinnen und Besucher haben.  Wer will, kann sich in dieser Zeit mit warmer Kleidung aus der Kleiderkammer versorgen. Es wird medizinische Versorgung für Mensch und Tier (viele Gäste bringen ihre geliebten Vierbeiner mit) angeboten sowie ein kostenloser Haarschnitt. Dazu gibt es täglich nachmittags eine Andacht und ein kleines Kulturprogramm.  Die Vesperkirche wird täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet sein. Eröffnet wird die 13. Vesperkirche mit einem Gottesdienst am Sonntag, 11. Januar, um 10 Uhr in der Johanniskirche. 
 
Getragen wird das diakonisch-kirchliche Projekt seit 2014 von der Evangelischen Kirche in Karlsruhe zusammen mit dem Diakonischen Werk und der Johannis-Paulus-Gemeinde. In Deutschland fand übrigens die erste Vesperkirche 1995 in der Leonhardskirche in Stuttgart statt. In Baden folgte zwei Jahre später Mannheim mit seiner ersten Vesperkirche. Pforzheim startete mit seinem Angebot im Jahr 2000. Aktuell veranstalten in Baden-Württemberg 47 Gemeinden eine Vesperkirche oder ein ähnliches Angebot.