Drei Jahrzehnte im Dienst der Telefonseelsorge

- 08.12.2025 - 

Sibylle Hatzelmann-Bayer ist Ende Oktober in den Ruhestand verabschiedet worden. Die fachliche Arbeit mit den Ehrenamtlichen sah die katholische Theologin und Diplom-Psychologin als eine ihrer wesentlichen Aufgaben an. Bei den Klientinnen und Klienten am Telefon kann sie zudem eine größere Offenheit erkennen, über die eigene Biografie zu reden, insbesondere bei Männern.     

31 Jahre lang war Sibylle Hatzelmann-Bayer Leiterin der Ökumenischen Telefonseelsorge Karlsruhe. Am 24. Oktober 2025 ist Sibylle Hatzelmann-Bayer als Leiterin in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Leitung hatte die katholische Theologin und Diplom-Psychologin bereits recht schnell nach ihrem Stellenantritt 1994 inne. Geführt hat sie die ökumenische Telefonseelsorge in den drei Jahrzehnten in einem kollegialen Zweierteam: bis 2012 mit dem evangelischen Pfarrer Heiko Heck, danach mit Pfarrerin Bettina Grimberg bis zu deren Pensionierung und ab 2021 zusammen mit Pfarrer Alexander Herzfeld.
 
Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar
 
Für Sibylle Hatzelmann-Bayer war in all den Jahren die fachliche Arbeit mit den Ehrenamtlichen eine wesentliche Aufgabe. Schließlich galt es, die Ehrenamtlichen auf die Arbeit in der Telefonseelsorge vorzubereiten und in ihrem Dienst zu begleiten. Dazu gehörte eine einjährige Ausbildung mit rund 160 Ausbildungsstunden. Hinzu kam die Supervision, um Ehrenamtliche in ihren Erfahrungen und Erlebnissen während ihres Dienstes zu begleiten und zu beraten. Rund 80 Ehrenamtliche engagieren sich in der Telefonseelsorge aktuell. Diese Zahl an Ehrenamtlichen brauche es, um die Erreichbarkeit für hilfesuchende Menschen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten, so Hatzelmann-Bayer. Viele Ehrenamtliche bringen sich jahrelang verlässlich ein. “Es ist keine Seltenheit, dass Aktive sich in der Telefonseelsorge sogar bis zu 15 Jahren oder länger engagieren.”
 
Für Sibylle Hatzelmann-Bayer ist die Telefonseelsorge eine “qualifizierte Anlaufstelle” und leiste gerade in der Krisenintervention und vor allem in der Suizidprävention eine “ganz wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe”.  
 
Auswirkungen von Einsamkeit sind gravierend
 
Wenn Menschen die Hotline der Telefonseelsorge wählen, suchen sie im Schutz der Anonymität verschwiegene Gesprächspartner, die ihnen mit Wertschätzung begegnen und mit denen sie über Ängste, Einsamkeit, Isolation oder Suizidgedanken sprechen können. Das Thema Einsamkeit begleitet die Telefonseelsorge seit ihrer Gründung am 1. Dezember 1962 in Karlsruhe. Sie besteht nun schon seit 63 Jahren und ist damit eine der ältesten Stellen für Telefonseelsorge in Deutschland. “In den letzten Jahren hat die psychologische Forschung und die gesellschaftliche Entwicklung gezeigt, dass die körperlichen und psychologischen Auswirkungen von Einsamkeit gravierend sind”, erklärt Hatzelmann-Bayer. Wenn es um psychische Erkrankungen geht, wie zum Beispiel Depression, sieht Sibylle Hatzelmann-Bayer heute einen offeneren Umgang in der Gesellschaft, was sich auch in den Gesprächen widerspiegelt: “Männer reden heute offener über ihre eigene Biografie und ihre Gefühle. Da ist eine deutliche Veränderung zu sehen”.
 
In den Gesprächen ist das Zuhören elementar. “Gutes Zuhören ist mehr als nichts sagen. Es braucht Einfühlungsvermögen, es gilt, die Stärken des anderen herauszuhören und auch mal zwischen den Zeilen zu lesen.” Ein Patentrezept für ein gutes Gespräch gäbe es nicht. Und doch werden die Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger gut auf unterschiedliche Situationen vorbereitet.