Cantus Juvenum feierte mit einem Festakt sein 20-jähriges Jubiläum
- 28.09.2026 -
Was 2006 als gemeinsame Singschule der Christuskirche und der Evangelischen Stadtkirche begann, ist längst zu einem Erfolgsmodell geworden, das über die Region hinausstrahlt. Die rund 200 Sängerinnen und Sänger sind ebenso in Karlsruher Kirchen als auch auf größeren Opernbühnen zuhause. Das 20-jährige Jubiläum wurde mit einem klingenden Festakt und vielen Gästen im Badischen Staatstheater gefeiert.
Mit einem Festakt im Badischen Staatstheater feierte die Karlsruher Singschule Cantus Juvenum am Sonntag, den 27. September 2026, ihr 20-jähriges Bestehen. Die verschiedenen Chöre der Karlsruher Singschule präsentierten dabei ihr Können bereits beim Get-together im neuen Entrée des Badischen Staatstheaters sowie auf der Bühne im Großen Haus, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulf hielt einen Impulsvortrag zur gesellschaftlichen Bedeutung des gemeinschaftlichen Singens und Vertreter aus Kirche, Kultur und Politik diskutierten über den gesellschaftlichen Wert kultureller Bildung.
Mit dem ersten Stück dieses Festakts im Großen Haus, dem Werk "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" von Felix Mendelssohn Bartholdy, wurde bereits der Bogen zu dem gespannt, was Cantus Juvenum auszeichnet: Als evangelische Singschule, die ihre Verankerung in der kirchlichen Chorarbeit bis heute hat, ist sie zugleich auf der großen Opernbühne zuhause.
Seit 20 Jahren gibt es die Singschule an der Christuskirche und an der Evangelischen Stadtkirche
Cantus Juvenum wurde 2006 von KMD Christian-Markus Raiser und Hans-Jörg Kalmbach als gemeinsame Singschule der Evangelischen Stadtkirche und der Christuskirche gegründet. Seit mehreren Jahren ist Cantus Juvenum aber auch auf den Opernbühnen des Badischen Staatstheaters Karlsruhe und sogar im Festspielhaus Baden-Baden gefragt. Entsprechend begeistert zeigte sich der Karlsruher Theaterintendant Christian Firmbach beim Festakt vom hohen sängerischen Niveau, der großen Motivation, mit denen die Kinder und Jugendlichen auch in anstrengenden Proben konzentriert blieben und in Opern wie "Hänsel und Gretel" oder "Der Rosenkavalier" oder zuletzt in "A Midsummer Night's Dream" glänzten. Es sei ein Privileg, diesen Klangkörper im Spielplan einsetzen zu können, so Intendant Firmbach. Seit 2019 gibt es diese Kooperation zwischen der Singschule und dem Badischen Staatstheater.
Auf der großen Theaterbühne sowie in den Kirchen zuhause
Der Vorstand der Karlsruher Singschule Cantus Juvenum
Doch auch im kirchlichen Leben ist Cantus Juvenum fest verankert. Mehrere Gottesdienste im Jahr bereichert die Singschule mit ihren Chören musikalisch in den Kirchen der beiden Kantorate, festliche Evensongs oder landeskirchlicher Veranstaltungen ergänzen das kirchliche Engagement. Viele Jahre probten die Chöre in den Räumen der Christuskirche (Mädchenchöre) und der Evangelischen Stadtkirche (Männerstimmen), bis sie 2025 ins ehemalige Dekanatsgebäude in die Reinhold-Frank-Straße 48 ziehen konnten und damit auch einen zentralen Ort mit Proben- und Verwaltungsräumen haben.
"Für die Evangelische Kirche in Karlsruhe ist die Singschule Cantus Juvenum ein Glücksfall und für unsere Stadt ein Aushängeschild. Jungen und Mädchen lernen hier gemeinsam Kirche, Gemeinde und Gottesdienst kennen und tragen selbst dazu bei, dass fröhlich gefeiert wird", erklärt Dekan Dr. Thomas Schalla zum Jubiläum für die Evangelische Kirche in Karlsruhe.
Aufteilung in Mädchen- und Knabenchören dient der je individuellen Entwicklung - und dem Chorklang
Eines der Besonderheiten der Singschule ist die Aufteilung in Knaben- und Mädchenchören, die bei größeren Aufführungen zusammengeführt werden können. Damit soll der je eigenen Entwicklung von Jungen und Mädchen und ihrer Stimmen Raum gegeben werden. Kantor Peter Gortner, der heutige künstlerische Leiter der Mädchenchöre, nennt sie "safe spaces", sichere Räume, in denen die Kinder und Jugendlichen ohne zu große Rollenerwartungen miteinander agieren können.
Der Dekan verweist auf die Stärken der Chorarbeit jenseits der Noten: Wer im Chor singt, macht das mit seiner eigenen Stimme und fügt sich zugleich ein in eine größere Gemeinschaft. Auch Generationen von Jungen und Mädchen üben das seit nunmehr 20 Jahren ein: Engagement, Zuhören, die eigene Stimme erheben, Gemeinschaft erleben. "Cantus Juvenum ist so beides zugleich: eine kräftige kirchliche Stimme im Lobgesang der Kinder Gottes und eine Werkstatt für Demokratie und Menschenfreundlichkeit", so der Dekan weiter.
Das wird beim Festakt zwischen den Musikstücken in den Gesprächen auf der Bühne immer wieder betont: Wie wichtig die Chorarbeit ist für die Demokratiefähigkeit und das Miteinander in der Gesellschaft. Hanno Müller-Brachmann, Ehrenvorsitzender von Cantus Juvenum, formulierte es so: "Kinder und Jugendliche, die selbstbewusst die eigene Stimme führen und gleichzeitig auf andre achten können, die mal die Führung übernehmen können und sich auch mal unterordnen können, sind Menschen, die lernen, was unsere Gesellschaft für eine harmonische Zukunft dringend braucht."
Die Singschule bleibt bei der Finanzierung auch in Zukunft auf neue Spenderinnen und Spender angewiesen
Doch die Chorarbeit und insbesondere der Einzelstimmbildungsunterricht durch professionelle Gesangspädagogen sind auch finanziell eine Aufgabe und Herausforderung. Seit Jahren wird Cantus Juvenum von der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, der Badischen Landeskirche, der Stadt Karlsruhe, vom Land Baden-Württemberg und durch verschiedene Stiftungen und zahlreiche Privatpersonen unterstützt. Doch die Singschule Cantus Juvenum mit seinen knapp 200 Sängerinnen und Sängern im Alter von 4 bis 20 Jahren und mehreren fest angestellten Gesangspädagogen wird in Zeiten knapper werdender kirchlicher wie auch öffentlicher Kassen mehr und mehr auf neue Spenderinnen und Spender angewiesen sein, um die qualitativ hochwertige Arbeit auch in Zukunft leisten zu können.