Reformationstag 2026: Wenn Luther auf Gen Z trifft

- 05.11.2026 - 

Der Protestzug der jungen Generation „Gen Z“, der am 31. Oktober durch die Karlsruher Innenstadt bis zum Marktplatz führte, war zwar bereits abgeebbt, als am Abend der zentrale Gottesdienst zum Reformationstag in der Evangelischen Stadtkirche gefeiert wurde. Aber das Anliegen hallte nach. 

 Bläserensemble des Stadtkirchenbezirks Karlsruhe spielen unter der Leitung von Kantor Dieter Cramer, Rüppurr, auf dem Marktplatz. Anlass ist der zentrale Gottesdienst zum Reformationstag am 31. Oktober 2026. Gemeinsam mit den Gottesdienstbesucher werden auf dem Marktplatz Lieder gesungen nach dem Gottesdienst.
Offenes Singen auf dem Marktplatz nach dem Gottesdienst mit kräftiger Unterstützung des Bezirksbläserensembles unter der Leitung von Kantor Dieter Cramer 
Auch wenn das, wofür die Gen Z-Bewegung der 15- bis 30-Jährigen auf die Straße gehen und protestieren, nicht mit den Anliegen Martin Luthers und der Reformatoren zu vergleichen ist: Die junge Bewegung zeigt, dass man nicht mit dem einverstanden sein muss, was ist. Gerade auch, wenn es um die eigene Zukunft geht. 
 
Reformationstag 2026: "Auch Kirchen müssen sich ändern und zugleich bei ihrem Eigenen bleiben - an ihrem Herrn Christus"

Auch der Reformationstag möchte dafür auf seine Weise sensibilisieren. "Wir erinnern in den Gottesdiensten am Reformationstag an den Thesenanschlag Martin Luthers. Wir fragen jedes Jahr aufs Neue: Worauf kommt es bei uns in der Kirche heute an?“, fragte Dekan Dr. Thomas Schalla in seiner Predigt. Die Welt ändere sich, immer schneller. Auch Kirchen müssen sich ändern und zugleich bei ihrem Eigenen bleiben - an ihrem Herrn Christus. Und der Dekan erklärte weiter: „Die Rückbesinnung der Reformatoren allein auf das Wort Gottes hat die Kirche damals wieder an die Auslegung der Heiligen Schrift gebunden. Die Würde der Kirche, Ihr Auftrag und ihre Vollmacht gibt es nicht ohne diese Verankerung im Wort Gottes. Wo Menschen das vergessen, verlässt die Kirche den Weg Gottes“, mahnt er.  

Dekan Dr. Thomas Schalla beim zentralen Gottesdienst am Reformationstag, 31. Oktober 2026 vor dem Altar der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe
Dekan Schalla: Freiheit ist an die Verantwortung und die Liebe zu den Menschen gebunden
Dekan Schalla: „keine Einladung zum grenzenlosen Individualismus“
 
Mit Blick auf den Predigttext Galater 5, 1-6 mit der bekannten Zeile „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ mahnte Dekan Schalla, dass hier „keine Einladung zum grenzenlosen Individualismus“ ausgesprochen sei. Vielmehr erinnere das Reformationsfest daran, dass Freiheit auch an die Verantwortung und die Liebe zu den Menschen gebunden. „Im Glauben bin ich frei, aber in der Liebe bin ich an die Menschen verwiesen, mit denen ich gemeinsam mein Leben und meine Welt teile." Der Freiheit werde mit der Liebe eine Orientierung gegeben, die auch die Verantwortung für das Gemeinwohl einschließe. Hier solle sich die christliche Freiheit bewähren.  

Und hier trifft Reformation auf Gen Z. Denn Menschen, ob jung oder alt, sollten in der Verantwortung vor sich und für das Gemeinwohl im Dialog bleiben, gemeinsam auf der Suche nach dem angemessenen und richtigen Weg – in der Deutung der biblischen Texte ebenso wie in der politischen Beurteilung gesellschaftlicher Entwicklungen.  
 
Nach dem Gottesdienst, der vom Bläserensemble des Stadtkirchenbezirks unter der Leitung von Kantor Dieter Cramer, Rüppurr, geleitet wurde, ging es dann hinaus auf den Marktplatz zum alljährlichen offenen Singen. Natürlich haben hier die Protestanten auch kräftig Lieder zum Reformationsfest gesungen und wurden von den Bläserinnen und Bläser an Trompeten und Posaunen klangmächtig unterstützt.