Klinikseelsorge: Menschen in schwierigen Lebenssituationen beistehen

- 06.11.2026 - 

Frank Wagner ist seit mehr als neun Jahren als Klinikseelsorger in den ViDia Kliniken am Standort Südendstraße tätig. Der 66-Jährige bezeichnet die nun zu Ende gehende berufliche Zeit als Klinikseelsorger als "Das Beste, was ich beruflich machen konnte". Am 17. November, um 16 Uhr wird Pfarrer Frank Wagner in den Ruhestand verabschiedet. 

Klinikseelsorger in den ViDia Kliniken Karlsruhe: Pfarrer Frank Wagner

Quelle: Vidia Kliniken

Ein Krankenaufenthalt kann für Patientinnen und deren Angehörigen zu einer Belastungsprobe werden. Schmerzen, eine anstrengende Behandlung, ein sich verschlechternder Gesundheitszustand können Faktoren sein, dass Sorgen und Unsicherheiten aufbrechen. Auch existentielle Fragen stellen sich. Wie wird es weitergehen nach dem Krankenhausaufenthalt? In dieser Zeit ist es gut, sich mit seinen Fragen jemandem anvertrauen zu können. Zum Beispiel einem Klinikseelsorger der evangelischen oder katholischen Klinikseelsorge.  

In den Vidia Kliniken steht auf evangelischer Seite Pfarrer Frank Wagner den Menschen seit neun Jahren in der Klinikseelsorge zur Seite. Seit 2017 ist er insbesondere am Standort in der Südendstraße, dem "alten" Vincentiuskrankenhaus, im Einsatz. Der Schwerpunkt liegt auf Gesprächen mit Patientinnen und Patienten, aber auch sehr oft mit Angehörigen und darüber hinaus mit Mitarbeitenden. Vor allem die Begleitung sterbender Patienten spielt eine große Rolle. 
 
"Menschen auf ihrem Lebensweg ein Stück des Weges begleiten"

"Die Angehörigen wünschen sich eine Begleitung", oftmals wird er um ein Sterberitual gebeten, um ein Segen und ein Gebet. "Das wird dankbar angenommen", sagt Frank Wagner. Dabei ist die Konfession des Klinikseelsorgers gar nicht so wichtig, weiß Pfarrer Frank Wagner zu berichten. Und so kam es auch schon vor, dass der evangelische Seelsorger das katholische Ritual der Aussegnung vollzog oder einmal ein "Ave, Maria" sprach. Auch wenn die Themen rund um Tod, Abschied, Krankheit oftmals schwer wiegen und auch für den Seelsorger selbst belastend sein können: Frank Wagner kann sich rückblickend keinen besseren Beruf vorstellen. Der 66-Jährige bezeichnet die nun zu Ende gehende berufliche Zeit als Klinikseelsorger als "Das Beste, was ich beruflich machen konnte".  

Dabei war der Wunsch, in die Seelsorge zu gehen, schon recht früh gewachsen. Bereits 1998 hat Frank Wagner die Klinische Seelsorgeausbildung gemacht. Weil ein Stellenwechsel in die Klinikseelsorge damals noch nicht glückte, ging es für mehrere Jahren in den Schuldienst als Religionslehrer. 2017 hat dann der Wechsel in die Seelsorge in die ViDia Kliniken geklappt. "Meine Motivation war vor allem, Menschen in schwierigen Lebenssituationen beizustehen und sie auf ihrem Lebensweg ein Stück weit zu begleiten", blickt Frank Wagner auf die neun Jahre als Klinikseelsorger zurück.  
 
Kurze Momente - weniger Ratschläge - aktives Zuhören

Und genau das ist auch für Frank Wagner das Herausfordernde und Besondere im Krankenhaus-Alltag: Dass man oft nur wenig Zeit hat, die Menschen kennenzulernen und ihnen doch für einen kurzen Moment nahe zu kommen, "oftmals innerhalb nur weniger Minuten", wie er selbst sagt. Und ihnen doch etwas mit auf den Weg zu geben. Weniger Ratschläge ("Vor Ratschlägen sollte man sich in der Regel hüten"). Dafür eher: Zuhören, sich in den anderen hineinversetzen und hineinfühlen. "Manchmal kann man auch nur zusammen die Hilflosigkeit und Ohnmacht einer Situation aushalten", meint Pfarrer Frank Wagner.  

Und hier und da ist auch ein Gebet möglich, für den Patienten oder vielleicht sogar mit ihm. Auch wenn es am Krankenbett nicht um Mission geht, hat Pfarrer Frank Wagner immer wieder versucht, Menschen auf den Glauben hin anzusprechen. Und auch zum Gottesdienst in die hauseigene Kapelle einzuladen. Jeden Dienstagabend hält Pfarrer Frank Wagner einen evangelischen Gottesdienst in der Südendklinik. Darüber hinaus werden ökumenische Gottesdienste zu Karfreitag und an Heiligabend und zu besonderen Anlässen gefeiert. Generell arbeiten die evangelische und katholische Klinikseelsorge eng zusammen. Ein Beispiel ist die Rufbereitschaft außerhalb der Präsenszeiten am Tag (von 8 bis 17 Uhr), die ökumenisch organisiert ist. Immer eine oder einer aus den beiden Teams ist dann für alle vier ViDia-Klinken (Steinhäuserklinik mit Frauenklinik, Südendklinik und Diakonissenkrankenhaus) von 16 bis morgens um 8 Uhr zuständig, an den Wochenenden durchgängig 24 Stunden.  
 
Bei ethischen Grenzfällen wird die Klinikseelsorge hinzugezogen

Und auch bei ethischen Fragestellungen und Fallabwägungen wird die Klinikseelsorge hinzugezogen. Mehrere Jahre war Frank Wagner Mitglied im Klinischen Ethik Komitee, in der es um ethische Grenzfälle geht. Beispielsweise ob lebensverlängernde Maßnahmen einzuleiten sind – gerade, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr selbst ausdrücken kann. "Alle Beteiligten versuchen dann die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und gemeinsam eine Entscheidung im Sinne des Patienten zu finden", erklärt Fran Wagner. Deshalb auch der Tipp zum Schluss, egal welchen Alters, sich rechtzeitig mit dem Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auseinanderzusetzen.